Alternative Streckenführung ICE©

ICE-Strecke: Erfurt - Halle/Leipzig - Berlin/Dresden Alternative Streckenführung im Bereich Halle/Saale, 2000

Ausgangssituation

Aufgrund der hohen Kostenintensität der geplanten ICE-Strecke Erfurt - Halle/Leipzig - Berlin/Dresden, hat die Bahn und auch der Bund beschlossen, diese Neubaumaßnahme zu stoppen. Begründet wurde diese Entscheidung mit einer neuen Investitionsstrategie der Bahn, um die vorhandenen Netze effizienter zu gestalten (Strategie Netz 21).

Das wichtigste Schienenprojekt Mitteldeutschlands wird demzufolge wahrscheinlich nicht realisiert.

Des Weiteren wird der neue ICE-Bahnhof am Flughafen Leipzig/Halle nach seiner Fertigstellung Ende des Jahres 2001 ohne ICE Anschluss sowie ohne Nord-Süd-Anbindung (in Richtung Erfurt sowie in Richtung Berlin) bleiben. Um keine Investitionsruinen zu hinterlassen, lässt die Bahn auf rund 23 Kilometern Länge für rund 600 Millionen Mark einen Teil eines einst sehr ehrgeizigen Projektes vollenden.

Derzeit sind nur Halte von Fernzügen Magdeburg - Halle - Leipzig - Dresden sowie eventuell Regionalbahnen geplant. Um den Flughafen anzubinden, müssten Umwege in Kauf genommen werden, dies ist eine der Begründungen seitens der Bahn.

Eine Anbindung ist technisch jedoch möglich.

Bahnexperten schätzen den Zeitverlust auf ca. 10 bis 15 Minuten, weitaus weniger als die Bahn bei Fernzügen aus Mitteldeutschland in Richtung Hamburg in Kauf nimmt, um die Hauptstadt Berlin anzubinden, oder aber für Verbindungen von Dresden über Hannover nach Regensburg und Passau. Zurzeit besteht Baurecht auf der geplanten Streckenführung.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Baurecht verfällt.

Alternative Streckenführung

Der Bahnanschluss des Flughafens Leipzig/ Halle ohne Nord-Süd-Anbindung und ohne ICE-Anbindung bleibt nur eine halbe Sache. Nicht zu vergessen wäre außerdem die Entlastung des innerdeutschen Flugverkehrs auf den Relationen Berlin - Leipzig/Halle - Erfurt und Dresden - Leipzig/Halle - Erfurt sowie damit verbunden auch eine Verringerung des hohen Energieverbrauchs und der Belastung der Umwelt durch den Flugverkehr.

Denkbar wäre eine alternative Streckenführung über Halle - Ammendorf auf der auszubauenden Stammstrecke Erfurt - Halle bis Höhe eines neu zu errichtenden Umsteigebahnhofs Halle - Dieselstraße. Hier könnte Anschluss an das S-Bahnsystem der Stadt Halle und dadurch über diese direkte Verbindung zum Hauptbahnhof Halle/ Saale eine Anbindung an den überregionalen Fernverkehr bestehen.

Eine direkte ICE - Anbindung des Hauptbahnhofes Halle/ Saale könnte somit entfallen.

Im Bereich des schon fertiggestellten Überwerfungsbauwerkes bei Gröbers wird die Alternativstrecke auf die Neubaustrecke über Flughafen Leipzig/Halle und Leipzig Hauptbahnhof geleitet.Von dort können diese Züge weiter nach Berlin sowie nach Dresden fahren.

Somit würde der Flughafen zur Ost-West auch eine Nord-Süd-Anbindung an den IC-Schnellverkehr erhalten. Diese Alternative würde sowohl für die Variante einer ICE - Neubaustrecke als auch für die Variante eines Ausbaus der vorhandenen Stammstrecke für Neigetechnik-ICE ohne große zusätzliche Aufwendungen funktionieren.

Der Umsteigebahnhof

Im Bereich der neuen Dieselstraßen - Brücke in Halle/Saale könnte der neue „Umsteigebahnhof Halle – Dieselstraße“ entstehen. Somit erhält die Stadt Halle/Saale den seit langen erhofften ICE Anschluss.

Am „Umsteigebahnhof Halle – Dieselstraße“ könnten alle ICE von und nach Erfurt, Leipzig, Berlin und Dresden halten. Von hier besteht, ohne den Hauptbahnhof Halle/Saale mit einem ICE anfahren zu müssen, über eine S-Bahn Verbindung von ca. 5 Minuten, Anschluss zum überregionalen Fernverkehr. Der „Umsteigebahnhof Halle – Dieselstraße“ wird über den Individualverkehr durch die derzeitig im Bau befindlichen Osttangente sowie über eine neu zu bauende S-Bahn-Station an einer bereits bestehenden S-Bahn-Trasse und über den ÖPNV (zur Zeit Bus, später auch Straßenbahn möglich) angebunden.

Am „Umsteigebahnhof Halle – Dieselstraße“ könnte sich außerdem ein ICE-Hotel sowie eine Empfangshalle und ein Parkhaus befinden. Anzumerken ist, dass die cirka 1.200m lange Nord-Kurve des „Umsteigebahnhofs Halle – Dieselstraße“ aufgrund ihres geringen Radius nur mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden (maximal 60 km/h) kann. Da aber hier die Phasen der Bahnhofseinfahrt (Bremsphase) sowie der Bahnhofsausfahrt (Beschleunigungsphase) stattfinden, könnte dieser Faktor als unbedeutend gewertet werden.

Bearbeiter: Dipl.-Ing. (FH) Architekt André Schuppmann