Vision-Galerie-Hochstraße©

Die städtebauliche Umstrukturierung des brachliegenden Stadtraumes der Hochstraße in Halle/Saale, 1998

„Eine Stadt ist ein ungeheuer lebendiges Komplexsystem.Seine Architektur muss etwas bewegliches, etwas dynamisches sein, das sich dauernd entwickelt, das seine Dichte an unvorhersehbaren Erlebnissen bringt“

Zitat COOP - Himmelblau, aus „experimentelle Architekten der Gegenwart“, 1987, Christian W. Thomsen, Verlag DuMont

Vision

…Die Ausgangssituation

„Die Sehnsucht danach, die statische Natur der Architektur zu überwinden und damit das menschliche Grundbedürfnis nach Mobilität zum Ausdruck zu bringen, hat die Architekten seit jeher bewegt. Der Mensch überwindet Zeit und Raum, wobei ihm die Zeit oft wichtiger zu sein scheint, als der Raum. Mobilität ist für viele zum Lebensinhalt geworden. Jedes Mittel ist recht – je schneller desto besser, Geschwindigkeit wird zur Ersatzreligion, denn Zeit ist Geld – und das nicht erst im Zeitalter von ICE und TGV.

Innerhalb weniger Jahre hat die Digitalisierung der Welt unsere Raum- und Zeiterfahrung erneut völlig verändert. Fernsehen, Videokonferenzen und Internet ermöglichen die elektromagnetische Anwesenheit in verschiedenen Räumen zur gleichen Zeit. Mit dem Tiefenverlust des Bildschirms geht ein Verlust des Raumes einher. Hohe Geschwindigkeiten und neue Medien suggerieren, daß die Welt ganz klein geworden wäre. Doch die Welt schrumpft nicht, sie ist immer noch unermeßlich groß.

Die Benutzeroberfläche der realen Welt bleibt gebunden an den physischen Raum. Je größer die Geschwindigkeit der Transportmittel, desto geringer wird die Bedeutung der Passage. Es verschwindet der dazwischenliegende Raum. Umso bedeutender aber werden die Orte der Ankunft und Abfahrt. Architektur bildet Fixpunkte auf der Durchreise, Orte des Erinnerns, der Identität und der Begegnung in einer schnelllebigen Welt, die geprägt ist von flüchtigen Bildern.

Denn Verkehrsräume sind nicht nur Funktionskanäle zur Abwicklung technischer Vorgänge sondern Lebens- und Erlebnisräume als lebendige Orte der Veränderung. Sie wandeln sich zu eigenständigen Städten in der Stadt, die mit den historischen Zentren konkurrieren Sie verknüpfen Verkehr mit Kultur und Konsum, sind nicht mehr nur Orte zum hastigen ein- und umsteigen sondern auch Orte zum verweilen.“

siehe „AIT 7/8-97“, Architektur in Fahrt, Prof. Dipl. Ing. Jan R. Krause, s. 35 ff.

Mut

…zum Besonderen

Man stelle sich vor, dort wo sich noch heute tagtäglich eine Verkehrslawine entlangquält, dort könnte man bald schon an Geschäften, Restaurants, Cafes und unter Bäumen entlangflanieren.

Ein Traum

…aus Stahl, Glas und Licht, ein Traum?!

Auf dem Gebiet der Hochstraße könnte in den nächsten Jahren ein städtebauliches Experiment verwirklicht werden. Zwischen Glauchaer Platz und Franckeplatz würde eine Galerie unter der Hochstraße zum wandeln einladen. Im Dachbereich der Galerie lassen Bäume einen kleinen Park entstehen. Parallel zur Galerie schützt eine gläserne Lärmschutzmauer die vorhandene Bebauung.

Ein Aussichts- und Informationsturm mitten auf dem Glauchaer Platz, wacht wie ein Turm über den Stadteingang.

Die „Galerie Hochstraße“ könnte als große Geste, als Symbol der Faszination Verkehr im städtebaulichen Raum entstehen. Da wir noch längerfristig mit der Verkehrsbelastung leben müssen, wäre eine Alternative, die Hochstraße in die Stadtstrukturen zu integrieren. Verkehr, Mobilität und Geschwindigkeit sind Phänomene unserer Zeit, denen nunmehr auch städtebaulich entsprochen wird, indem wir dies bewußt wahrnehmen und akzeptieren, ja in unserer Vision auch bewußt überhöhen.

Ein gläsernes Kaufhaus in der Form eines gigantischen Tores und im inneren mit Glasröhren für den Verkehr zeigt uns den Eingang zur Stadt.

Am Glauchaer Platz schließt ergänzende Bebauung die städtebaulichen Wunden.

Bearbeiter: Dipl.-Ing. (FH) Architekt André Schuppmann 

In Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Karsten Spengler